Einfach nachhaltig
Das liebe ich an meinem Job als Freier Redner, Moderator und Autor: Herausforderungen. Als die Diakonie Leipzig mit einer Projektidee rund um die hauseigene Strategie zur Vielfalt kam, war mir allerdings nicht bewusst wie groß die Challenge dieses Mal ist. Als der Begriff „Nachhaltigkeit“ fiel, kamen mir sofort die Agenda 2030, Green Deal und andere abstrakte Absichtseklärungen in den Sinn. Der Journalist und Nachrichten-Junkie in mir wurden wach. Aber mal ehrlich, wer von uns kennt schon die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen? Und wie soll diese komplexe, verklausulierte Charta dem Fachbereich Kindertagesstätten der Diakonie gerecht werden? Und wer soll eigentlich die Zielgruppe für dieses Corporate-Publishing-Produkt sein?
Genau so fiel meine erste Reaktion nach der Basisrecherche aus. „Das ist doch alles Quatsch mit Soße. Wenn wir ein Buch machen, dann sollte es auch so heißen“, habe ich Christiane Michalski, der Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten der Diakonie Leipzig gesagt. Sie ist die Chefin von zwölf Kitas in Leipzig, Markkleeberg und Taucha. Und mit ihr hatte ich zum 150-jährigen Bestehen der Diakonie schon ein Buch gemacht. Wir reden offen, auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Sie kennt die Kitas, die Bedürfnisse und hat immer eine Vision. Ich bringe PR-Strategien, journalistische Expertise und die richtige Zielgruppenansprache mit.
Dennoch war ich dieses Mal skeptisch, zugleich aber angefixt von dem Thema, auch weil mir bewusst wurde: Nachhaltigkeit wird häufig nur als Synonym für Umweltschutz umschrieben. In der öffentlichen Diskussion überwiegen zuhauf die kurzfristigen Nachteile wie Kosten für neue Heizungen, bessere Infrastruktur, veränderte Landwirtschaft. Aber keiner sieht eigentlich, dass die Rendite dieser Investitionen in der Zukunft liegen – bei unseren Kindern. Weniger CO2, saubere Luft, Artenvielfalt, stabile Lebensbedingungen.
Da muss doch gerade ich als vierfacher Vater und Freier Redner, der Trauungen zelebriert und Kinder auf dieser Welt mit einem Willkommensfest begrüßt, was bewirken. Also haben wir uns wieder getroffen, haben tiefer geschürft und ich habe gefragt: „Was macht ihr in euren Kitas denn in punkto Nachhaltigkeit ganz konkret?“ Und dann hat Christiane ein Füllhorn an Beispielen, Fotos, Videos aus dem Handy gezaubert, ein Kaleidoskop der Nachhaltigkeit aus dem Kita-Alltag.
Ab diesem Zeitpunkt hat sie mich gecatcht. Das Raster für unser Buch stand. Wir machen ein ABC der Nachhaltigkeit (Arbeitstitel). 26 Kapitel, ganz konkret mit Beispielen aus dem Kita-Alltag, mit Informationshäppchen und Aha-Effekten, mit Impulsen zum Nachdenken. Ein Mitmachbuch. Ein Mutmachbuch. Ein Möglichkeitsbuch.
Ein Buch, das nicht belehrt, sondern die Leser:innen locker-flockig durch eine gigantische Thematik führt und aufzeigt, wie jeder etwas im Kleinen tun kann, um gemeinsam Großes zu bewirken. Ähnliches hatte ich vor einigen Jahren schon mal für ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (heute: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) zum Thema Ernährung geschrieben, auch wenn beide Projekte nicht vergleichbar sind. Aber ich liebe es, komplexe Dinge greifbar zu machen. So wie in meinen Reden und Moderationen. Nicht lange um den heißen Brei rumreden, sondern Butter bei die Fische.
So wuchs dieses Projekt Schritt für Schritt. Ich habe Frank Hellriegel vom MedienAtelier Taucha ins Boot geholt fürs Layout. Wir haben erste Probeseiten nach meinen konkreten Vorstellungen gesetzt, das Feedback der Kitaleiter:innen eingeholt, vieles überworfen und den Rohdiamanten geschliffen. Ja, es war eine aufreibende Zeit, wir haben viel diskutiert, ein Verlagsangebot abgelehnt, um mehr Freiheit zu haben. Auch weil wir überzeugt waren, dieses Projekt hat es einfach verdient so geschrieben zu werden, dass es Familien hilft, Pädagoginnen und Pädgogen inspiriert und alle ein Stück voranbringt, die sich fragen „Was kann ich tun?“.
So klar unser Konzept war, so unschlüssig waren wir uns beim Buchtitel. Das ist ja immer das Aushängeschild jedes Werkes. Ich erinnere mich gut daran, ich war nach einer Trauerfeier auf der Rückfahrt vom Friedhof Hellerau (Dresden) als ich Christiane anrief. „Was hältst du von ‚Einfach nachhaltig‘?“ Und sie fragte mich „Wie, einfach ’nachhaltig‘?“ – „Na, ‚Einfach nachhaltig‘, zwei Worte, das ist der Titel.“ Stringent in der Aussage, und trotzdem hat es gerade durch dieses feine Spiel mit Worten einen Reiz. Nachhaltigkeit kann einfach sein.
Die Kinder leben uns vor, wie einfach Nachhaltigkeit sein kann. Wenn sie alte Materialien zu neuem Leben erwecken. Da wir aus einer alten Eierpappe eine phänomenale Figur, da wächst aus leeren Tetrapacks eine riesige Burg. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was man aus Klopapierrollen alles machen kann? Richtige Kunstwerke!
Aber, auch das ist die Botschaft dieses 120 Seiten starken Buches: Nachhaltigkeit fordert das Zusammendenken von Ökologie, sozialer Gerechtigkeit, Wirtschaft, Frieden und Zukunftsfähigkeit. Und deshalb war Christiane Michalski und mir als Autoren wichtig, deutlich zu machen, wie dies in den Kitas gelebt wird. Demokratiebildung beginnt im Kleinen, Frieden wohnt in uns, Zukunft können wir gestalten. Ehrlich, ich war überrascht: Warum funktioniert das bei den Kleinsten, währen die Großen sich vielfach auf dieser Welt bekriegen?
Wo Krieg herrscht, werden Menschen vertrieben, Bildung bricht weg, Infrastruktur wir zerstört, Wälder und Boden werden beschädigt, Ressourcen werden für Waffen statt für Zukunft eingesetzt. Armut, Hunger, Wassermangel und Klimafolgen verschärfen Konflikte.
Nachhaltigkeit betrifft uns alle, ob wir wollen oder nicht. Es geht um unser Miteinander, es ist eine Chance für morgen. Unsere Werte, unsere Haltung. Das macht auch das eigens für uns geschriebene Lied von Felix Wittke deutlich, das er zur Präsentation unseres Buches geschrieben hat.
Ich bin Diplom-Journalist, habe viele Jahre in der Wissenschaftskommunikation erfolgreich geforscht, einen Studiengang geleitet, publiziert und ordentlich Drittmittel eingeworben. Doch mir fehlte die Arbeit mit Menschen und das, was ich am Journalismus so liebte: Porträts, Interviews und Reportagen. Durch eine Fügung bin ich dann zu den Freien Rednern gekommen, habe meine Passion gefunden und dem ständigen Einwerben von Drittmitteln und Zeitverträgen adieu gesagt. Heute lebe ich wieder die Selbständigkeit, begleite Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und setze das ein oder andere Corporate-Publishing-Projekt um oder begleite kleine und größere Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Sichtbarkeit. Dafür stehe ich auch gerne auf der Bühne, moderiere oder halte Festreden, die das Wort wert sind. Weniger Schulterklopfen, mehr Motivation.
Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.
Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.
Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.