Ihr Browser ist veraltet
Um sicher im Internet zu surfen und moderne Websites richtig darzustellen, empfehlen wir Ihnen ein Update.
Hier auf Updates prüfen
Hero Image
9. Juni 2026

Elektriker, DJ, Unternehmer, Oscar-Preisträger

„Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg!“ Dieser Satz ist das Markenzeichen von Wilfried „Willi“ Naumann. Ein Spruch, den er mit Leben erfüllt – als Unternehmer, Familienvater, Ehrenamtler und in ganz vielen anderen Rollen. Unermüdlich, herzlich, bodenständig.
Elektriker, DJ, Unternehmer, Oscar-Preisträger

Als Trauerredner tauche in ganz unterschiedliche Biografien ein. Handwerker, Künstler, Geschäftsleute und immer wieder auch Promis. Eins vorneweg: alle werden bei mir gleichbehandelt. Mir ist egal, wie viel jemand auf dem Konto hat (mein Honorar ist immer dasselbe) oder welche Auszeichnung er erreicht hat (mir geht es um den Menschen dahinter). Aber in diesem Fall kamen mehrere Dinge zusammen: Ein Mann, der es vom Elektriker zum Oscar-Preisträger geschafft hat, zwischendurch als DJ brillierte, seine Liebe des Lebens fand und in wirtschaftlich turbulenten Zeiten ein großes Unternehmen aufgebaut und anderen Menschen Mut gemacht hat. 

Eine spannende Biografie, die ich als Trauerredner würdigen durfte und die in meiner Serie über Nachrufe über Menschen aus Leipzig und der Region in der Leipziger Volkszeitung erschienen ist. Wenn auch ihr Ideen und Anregungen für meine Rubrik in der LVZ habt, schreibt mir gerne

Als Kind ein Wildfang in der sächsischen Provinz

Wie oft Mutter Hildegard in die Schule einbestellt wurde, weil Wilfried wieder etwas ausgefressen hatte, kann sie gar nicht mehr sagen. Willi, der lieber draußen um den Brömmer Teich in Doberschütz (Landkreis Nordsachsen) rumstrauchelt als über Schulbüchern zu büffeln. Er selbst gibt zu, dass er als Kind eher faul ist. Aber dann in der achten Klasse vermittelt ihm der Klassenlehrer: „Du machst das nicht für mich, du machst das für dich.“ Wieder so ein kleiner Satz, der aber in Wilfried etwas auslöst. Es verändert seinen Blick auf das System Schule: Lernen wird zur Selbstinvestition für die eigene Zukunft. Der Ehrgeiz packt ihn. Und es zeigt sich erstmals das, was sich in seiner Biografie noch so oft findet: Sobald er den Sinn erkennt, liefert er konsequent ab. 

Legendärer DJ mit seiner Sterndisko

Auch wenn aus seinem Traumberuf Rundfunk- und Fernsehmechaniker nichts wird und er den „Notnagel“ Elektriker wählt. Parallel zu seiner Ausbildung bei dem Kombinat Industrielle Mast (KIM) in Mockrehna ist er gemeinsam mit einem Freund Eberhard und der „Sterndisko“ als DJ unterwegs. Oder wie es in den 1970er Jahren heißt: als staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter. Er organisiert Westmusik, baut Mischpulte und Verstärker selbst und sorgt mit seiner flapsigen Moderation für volle Tanzflächen und ordentlich Stimmung. In Spitzenzeiten macht er bis zu 80 Auftritte pro Jahr, aus dem Hobby wird ein guter Nebenjob (der ihm das erste Auto finanziert, ein roter Lada 1300). Willi rockt die Bühne, lebt seine Technikaffinität aus und übt sich als Kleinunternehmer. 

Die Musik bringt auch Wilfried und seine spätere Ehefrau Ingrid zusammen. Ausgerechnet an einem Wochenende, als er mal nicht selbst auflegt, lernt er die Lehrerin aus Brandis beim Tanzen kennen. Ein Abend, der zwei Menschen zusammenbringt, der Start einer Familiengeschichte. Über die gemeinsamen Töchter Kristin und Karen sagt er rückblickend:

Ihr seid das Beste, was ich je zustande bekommen habe.

Vom Elektriker zum Unternehmer

So komisch es klingt: Der Musik verdankt Wilfried aber auch seinen Start als Unternehmer. Und das war so: Einer seiner Chefs erlebt Wilfried, mittlerweile Elektrikermeister und Schichtleiter in der KIM, als DJ beim Dorffasching und erkennt seine Verkaufsqualitäten. Er fördert ihn, schickt ihn an die Hochschule nach Meißen, wo er seinen Abschluss als Diplom-Agrarökonom macht. Wilfried wird vom Kollegen zum Chef – der Start einer Managementlaufbahn. 

Und dann der Wendeherbst 1989: Als die Treuhand den volkseigenen Betrieb übernimmt, verhandelt sie mit dem 32-Jährigen. Sein Job: Den Betrieb verkaufsfähig machen, umstrukturieren, Kosten senken und die Infrastruktur modernisieren. Sein Sparringspartner auf der Treuhand-Seite: Hubertus von Hindenburg, Enkel des einstigen Reichspräsidenten. Wilfried erzählt gerne davon, wie er als Zahlenmensch die „Braut“ für den Verkauf an ein westdeutsches Unternehmen hübsch macht, er mit dem Privatjet von potenziellen Käufern aus Frankreich und Holland abgeholt wird.

Aber es ist auch die Zeit, in der er Menschen entlassen muss, mit denen er jahrelang gearbeitet oder beim Fasching gefeiert hat. Einige wechseln die Straßenseite, wenn sie ihm begegnen. 

Der Oscar für sein Lebenswerk

Trauerfeier, Kirche, Freier Redner, Doberschütz, Täter des Wortes, Taucha, Eilenburg, Trauerredner, LebensfeierObwohl Wilfried Angebot aus Westdeutschland bekommt, bleibt er im beschaulichen Doberschütz. Einerseits wegen der familiären Verwurzelung, andererseits aber auch, weil er überzeugt ist: „Hier können wir was bewegen!“ Und das tut er. Nach mehreren Stationen übernimmt er die Firma Schildauer Fleisch- und Wurstwaren und führt die Traditionsmarke zu neuem Glanz. 2024 erhält er von der Oskar-Patzelt-Stiftung den Großen Preis des Mittelstands. Willi, der sich nie was aus Auszeichnungen macht, ist stolz auf den Oscar des Mittelstands für sein Lebenswerk. 

Aber er weiß auch: Ohne den Rückhalt seiner Familie hätte er all das nicht geschafft. „Arbeit war sein Leben“, sagt Ehefrau Ingrid. Sie, die all die Jahrzehnte, ihm den Rücken freihält. Wilfried, der Arbeit und Familie unter einen Hut bringt – und so gerne von Menschen umgeben ist, je mehr, desto besser. Am 29. Januar 2026 ist Wilfried Naumann gestorben im Alter von 68 Jahren.

Sein Abschied in der Dorfkirche in Doberschütz, den ich als Trauerredner gestalten durfte, bringt alle zusammen – Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Vereinskameraden, Nachbarn und andere Wegbegleiter. Mehr als 180 Menschen drängen sich dicht an dicht, um Abschied zu nehmen und Willis Wunsch genüge zu tun: „Genießt euer Leben, haltet zusammen, feiert!“

Diesen Beitrag teilen:
Wunschredner Logo
Podcast

Wunschredner – Leben. Lieben. Lachen.

Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.

Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.

Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.

Ihr sucht einen Redner für eine Trauerfeier? Mitfühlend Authentisch Charismatisch Zur Trauerfeier
01 72 81 21 680 +49 (0)34298 183217 info@wunschrede.de Instagram Profil Facebook Profil