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22. August 2025

Nachruf: Barbara Kowalzik erforscht jüdisches Leben in Leipzig

Vor der Wende Professorin, nach der Wende ABM-Kraft. Darauf könnte man die beruflichen Werdegang von Barbara Kowalzik reduzieren und einen Abgesang über den Umgang mit gut ausgebildeten Wissenschaftlern nach dem Zusammenbruch der DDR erzählen. Doch dies würde dieser universell gebildeten Frau und ihrem Charakter nicht gerecht. Und es würde ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Kapitel ihres Arbeitslebens verschweigen.
Nachruf: Barbara Kowalzik erforscht jüdisches Leben in Leipzig

Barbara Kowalzik hat das jüdische Leben in Leipzig erforscht und damit einem bislang unbeachteten Kapitel der Stadtgeschichte ein Gesicht gegeben. Auslöser dafür war ausgerechnet der Zusammenbruch der DDR. Nach 1990  musste sich die gelernte Buch- und Musikalienhändlerin und promovierte Philosophin aus gut bürgerlichem Elternhaus neu erfinden.

Von der Professorin zur ABM-Kraft

Die Professorin trat eine ABM-Stelle beim Bürgerverein Waldstraßenviertel an. Dort managte sie das Büro, hörte sich die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger an und tauchte Stück für Stück in die Historie des Wohnquartiers ein. Aus dem bis dahin blinden Fleck in der Geschichte der Messestadt wird ihre Lebensaufgabe: Sie entstaubte das jüdische Leben Leipzigs aus den Archiven und rückt es in den Fokus der Öffentlichkeit.

Denn bis 1933, das Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler, die in den verbrecherischen Zweiten Weltkrieg mündete, war das Waldstraßenviertel jüdisch geprägt – durch dort wohnhafte Pelzhändler, jüdisch-soziale Institutionen wie das Eitingon-Krankenhaus oder die Ariowitsch-Stiftung als Altersheim. 

Von Leipzig nach Israel

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Die ersten Jahre lebte Barbara Kowalzik (*22.05.1939
) mit ihrer Familie auf dem Rittergut Steinbach (Landkreis Leipzig). Das Foto ist etwa aus dem Jahr 1942.

Barbara Kowalzik machte Geschichte und Geschichten publik, in Zeitschriftenbeiträgen und Büchern. Ihr Buch Wir waren eure Nachbarn (Pro Leipzig) findet sich im Archiv der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem genauso wie in der Datenbank für Überlende und Opfer des United States Holocaust Memorial Museums in Washington D.C. (USA). 

Zugegeben, es gibt viele Schriften über Juden und den Holocaust, und das zu recht. Immerhin wurden während des Zweiten Weltkrieges rund sechs Millionen Juden ermordet. Aber Kowalzik hat es geschafft, konkrete Schicksale nachzuzeichnen und spürbar werden zu lassen. Sie fügte Teil um Teil zu einem großen Ganzen zusammen. Und mit jeder einzelnen Biografie hat sie neue Facetten nachvollziehbar werden lassen wie das Erwerbsleben in der inneren Leipziger Nordvorstadt oder die Geschichte des jüdischen Schulwerks. 

Forscherdrang und Herzlichkeit

Sie wurde Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sächsischen Wirtschaftsarchiv, später am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Sie  war fester Bestandteil der Jüdischen Woche, traf in Israel ehemalige Leipziger Juden, einige der letzten Überlebenden des Holocausts. Es entstanden enge Freundschaften. Denn auch das ist Barbara Kowalzik: eine Frau mit Herzenswärme, die sich für andere einsetzt ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken, jederzeit bereit für ein fachliches Gespräch, Kämpferin für die Wahrheit und wider das Vergessen, überzeugte Atheistin, die Glauben toleriert und akzeptiert.

Ihr Arbeit bleibt unvollendet. Sie starb am 20. März 2025. Ihre Recherchen zur Geschichte der im 19. Jahrhundert gegründeten Leipziger Baumwollspinnerei sollen in den nächsten Monaten an das Leipziger Stadtarchiv übergeben werden. 


Dieser Nachruf ist eine gekürzte und leicht veränderte Version eines Beitrags für die Leipziger Volkszeitung. Dort rufe ich als  Trauerredner und Journalist regelmäßig Menschen aus der Region nach. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen, aber Teil der Stadtgeschichte sind. Und die es wert sind, an sie zu erinnern, damit ihr Wirken nicht vergessen wird. Ob Hausmeister oder Friseurin, Rechtsanwalt oder Sportlehrer. Jeder Mensch hat (s)eine Geschichte – und ich erzähle sie. 

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Wunschredner – Leben. Lieben. Lachen.

Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.

Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.

Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.

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