Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Tod und ich
Warum viele Familien einen Trauerredner suchen, was eine Trauerfeier mit einem Freien Redner auszeichnet und wie wir alle besser trauern können – darüber habe ich mit dem Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung in seinem Podcast gesprochen. Nicht zuletzt auch über die Frage, was an Leipzigs Friedhöfen besser werden könnte. Hier geht es direkt zum ganzen Interview: Oberbürgermeister Burkhard Jung und Leipzigs Trauerredner Dr. Tobias D. Höhn über Abschied, Trauer und Tod.
In Deutschland geschieht Trauer häufig leise. Viele Familien ziehen sich zurück, schweigen – aus Unsicherheit, Scham oder weil Trauer in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert ist. So wie ein Makel in einer vor Erfolg strotzenden Social-Media-Welt. Dabei ist es gerade in schweren Zeiten wichtig, nicht allein zu bleiben. Nicht die letzten Bilder des Sterbens vor Augen zu haben, wenn ein Mensch verabschiedet wird. Sondern das ganze Leben Revue passieren zu lassen, die Schätze des Lebens zu heben. Daher wünschen sich immer mehr Angehörige einen freien Trauerredner, der ihnen Raum gibt, ihre Geschichte erzählt und eine persönliche Trauerfeier gestaltet, die wirklich zu ihrem verstorbenen Menschen passt. Genau das ist mein Anspruch: Trauer sichtbar machen. Würde geben. Zuhören. Und eine Zeremonie schaffen, die stärkt.
Im Gespräch mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung wurde deutlich, wie tief das Thema uns alle bewegt. Er sagte:
Wenn man an einer Trauerfeier teilnimmt, bricht plötzlich diese andere Welt ein. Man hält inne – und doch geht man schnell wieder in den Alltag zurück.
Doch Trauer lässt sich nicht wegschieben. Sie findet ihren Weg – egal, wie still wir sie halten wollen. Deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen. Und Trauer eine Form zu geben, die trägt.
Ich komme ursprünglich aus dem Journalismus. Geschichten zu erzählen, Menschen zu porträtieren – das ist seit jeher meine Leidenschaft. Doch erst eigene Trauererfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig eine individuelle Trauerrede ist. Ich saß selbst bei Trauerfeiern, bei denen ich dachte: „Über wen spricht der da vorne eigentlich?“ Ich habe die mir so vertraute Person nicht wiedererkannt, war enttäuscht und wütend zugleich.
Mir wurde klar: Das muss besser gehen.
Als ausgebildeter und zertifizierter Freier Redner nehme ich mir daher Zeit, um in Lebensläufe einzutauchen. Dabei geht es mir nicht um Jahreszahlen, sondern das, was zwischen den Zeilen steht. So entsteht eine authentische Lebensfeier, in der die Persönlichkeit spürbar wird in all ihren Facetten.
Burkhard Jung sagte in unserem Gespräch:
Die Qualität einer Gesellschaft entscheidet sich am Umgang mit den Toten.
Er hat recht und spricht mit damit mitten aus dem Herzen.
Trauer braucht Raum – nicht nur im Herzen, sondern auch im öffentlichen Bewusstsein.
Andere Kulturen machen es uns vor: Sie tragen Farben, tanzen, erzählen Geschichten. Sie ehren das Leben, nicht nur den Verlust. Auch wir dürfen lernen, Trauer offener zu begleiten. Nicht um sie lauter zu machen, sondern um sie menschlicher zu machen.
Ich nenne meine Zeremonien bewusst Lebensfeiern, weil es darin um das Leben geht – um Erinnerungen, um Liebe, um das, was bleibt. Der Tod ist nur ein Satz in meinen Reden – das Leben der ganze Rest.
Und genau diese Perspektive hilft Familien: Sie gehen gestärkt hinaus, mit mehr Mut und einem Funken Helligkeit.
Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.
Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.
Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.