Sei Täter des Wortes
Als Freier Redner bin ich Täter des Wortes, keine Frage. Aber um mich als Trauerredner geht es bei den Zeremonien nicht. Ich leihe nur meine Stimme und spreche das aus, was die Familie fühlt und denkt. Ich zeichne mit meinen Worten ein Porträt, das einen Menschen beschreibt, an ihn erinnert und ein Stück seines Lebens, seiner Botschaft, mitgibt an einem schweren Tag.
An diesem Tag haben wir einen Mann mit einer Lebensfeier verabschiedet, der nicht lange geredet hat, wenn man auch einfach machen konnte. Einen, der quirlig war, voller Ideen, voller Energie. Einen, der aufgebaut hat statt abzuwarten. Der sich engagiert hat, Verantwortung übernommen hat, Dinge ins Rollen brachte. Und der am liebsten mitten unter Menschen war.
Umso schöner, dass die Kirche an diesem Tag brechend voll war. Das hätte ihm gefallen. Und jeder einzelne hatte eine Verbindung zu diesem Mann. Weil einer, der anpackt, verbindet, Spuren hinterlässt, in Erinnerung bleibt.
„Sei Täter des Wortes“ — das klingt fast wie eine Lebensbeschreibung. Ursprünglich stammt es aus dem Neuen Testament, zu finden bei Jakobus 1,22. Aber es klingt nach – vielleicht wie ein Auftrag an uns, die zurückbleiben: nicht nur zu sagen, was wichtig ist, sondern es leben. Nicht nur wünschen, sondern handeln. Nicht nur reden von Gemeinschaft, Mut und Herz — sondern genau das füreinander sein.
So wird aus einem Satz über dem Altar eine Botschaft, die nachhallt. Zugegeben, an diesem Tag hatte vermutlich keiner einen Blick auf diesen Spruch… Das Meer an Blumen, die Menschen dicht an dicht, aber ich als Trauerredner stand direkt darunter – und mich hat dieser Satz schon beim Betreten der Kirche in seinen Bann gezogen.
Diese Lebensfeier mit anschließender Urnenbeisetzung im kleineren Kreis hat nicht nur mich als Trauerredner bewegt, sondern auch die Familie und die an die gut 180 Trauergäste.
Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.
Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.
Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.