Weiterbildung für Freie Redner: Warum gute Redner nie fertig sind
Die gefährlichste Rede ist vielleicht gar nicht die schlechte, sondern die, bei der wir als Freie Redner:innen irgendwann denken: Läuft doch.
Das Hochzeitspaar hat gelacht, die Gäste waren gerührt. Nach der Trauerfeier kommen Angehörige zu uns und sagen: „Das war wunderschön.“ Beim Kinderwillkommensfest fließen Tränen, bei der Jugendweihe gibt es Applaus. Auftrag erfüllt. Nächste Rede. Und genau da beginnt für mich als Profi die Gefahr der Routine. Denn nur weil etwas funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es nicht besser gehen könnte.
Versteht mit nicht falsch: Erfahrung ist Gold wert. Je mehr Zeremonien wir begleiten, desto souveräner werden wir. Gespräche laufen sicherer. Wir erkennen Geschichten schneller. Wir spüren, wann eine Pointe funktioniert, wann es leiser werden muss und wo eine Rede noch eine Kurve vertragen könnte.
Aber Erfahrung hat auch eine Schattenseite: Wir greifen auf Dinge zurück, die funktionieren. Lieblingsformulierungen schleichen sich ein, Dramaturgien ähneln sich, Metaphern werden bequem, bestimmte Übergänge schreiben sich irgendwann fast von selbst. All das ist menschlich.
Und jetzt kommt das Aber: Für professionelle Freie Redner:innen darf es aber nicht das Ende der Entwicklung sein. Ich möchte nicht einfach möglichst viele Reden halten. Mein Anspruch an mich lautet:
Ich möchte gute Reden halten. Reden, die überraschen. Reden, die etwas auslösen. Worte, die bleiben.
Und genau deshalb gehört Weiterbildung für mich zu diesem Beruf.
Jeder kennt das: Wir investieren in Websites, Werbung, Technik – alles sinnvoll. Aber unser eigentliches Produkt ist etwas anderes: Unsere Fähigkeit, Menschen zuzuhören und daraus eine starke Rede zu entwickeln. Das heißt: Gesprächsführung, Kreativität, Präsenz, Stimme, Wirkung. Das ist unser Handwerk.
Und genau in dieses Handwerk sollten wir immer wieder investieren. Nicht, weil wir schlecht sind, sondern weil wir gut bleiben und besser werden wollen. Wenn du jetzt denkst: Der will uns nur was verkaufen, dann sage ich: Auch ich lasse mich regelmäßig coachen, nehme an ganz unterschiedlichen Weiterbildungen teil, einfach um über den Tellerrand zu schauen. Und weil ich den nächsten Schritt erreichen möchte.
In unserem Beruf bekommen wir erstaunlich wenig echtes fachliches Feedback. Sätze wie „Du hast ihn genauso beschrieben“ oder „Wir haben gelacht und geweint“ sind großartig. Aber sie helfen uns nur bedingt dabei, die nächste Rede noch besser zu machen. Denn unsere Kunden beantworten normalerweise nicht diese Fragen:
Genau dafür braucht es manchmal einen professionellen Blick von außen. Nicht, um Fehler zu suchen, sondern um Potenzial zu entdecken.
Bei Weiterbildung denken viele zunächst an große Seminare in teuren Hotels mit langer Anreise und großen Kosten. Aber Weiterbildung geht auch anders: Manchmal braucht es einfach jemanden, der dir ganz konkret hilft ein Problem zu lösen. Egal, ob es um einen wertvollen Gedanken geht oder den gordischen Knoten bei der Metapher zu durchschneiden. Vielleicht beschäftigt dich aber auch ein schwieriges Gespräch oder du hast einfach das Gefühl: Irgendetwas stimmt noch nicht. Es gibt viele Fragen, die wir als Freie Redner:innen zu oft mit uns selbst ausmachen, dabei sollten wir es doch besser wissen: Kommunikation hilft.
Genug geredet, drei konkrete Angebote an und für dich:
Am 22. September 2026 entwickeln wir gemeinsam eine neue Metapher für eine Freie Trauung. Die Ausgangslage ist bewusst schwierig gewählht: wenig Informationen, wenig offensichtliche Gemeinsamkeiten und ein Paar, bei dem zunächst scheinbar nichts nach einer außergewöhnlichen Geschichte klingt. Dabei werde ich nicht einfach drei Stunden lang erklären, wie ich eine Rede schreibe, sondern wir entwickeln gemeinsam, sammeln Ideen, probieren und hinterfragen und schauen, wie daraus am Ende ein tragfähiges Konzept für deine nächste Rede werden kann. Der Clou: Du bekommst nicht nur Input, sondern kannst dich einbringen – und hast am Ende ein fertiges Skript, das du direkt nutzen kannst.
Genau das ist für mich der entscheidende Punkt. Ich möchte nach einer Weiterbildung nicht mit 48 Seiten Skript nach Hause gehen und denken: „Interessant, lese ich mir durch, wenn ich Zeit habe.“ Ich brauche konkrete Handlungsanleitungen nach dem Motto „Das probier ich morgen gleich mal aus.“ Eine gute Weiterbildung liefert etwas, das in der Praxis funktioniert. Deshalb muss gute Weiterbildung auch nicht zwangsläufig teuer oder zeitaufwendig sein. Manchmal kann eine kleine Investition enorm viel verändern. Wenn du aus 30 Minuten Coaching eine Idee mitnimmst, die du noch in 20 weiteren Reden einsetzen kannst, hat sich diese halbe Stunde ziemlich schnell gerechnet.

Der Markt für Freie Redner:innen ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Ich finde es richtig, dass Menschen aus ganz vielen Angeboten wählen können, auch wenn für viele Kunden die Unterschiede auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich sind. Was unterscheidet Trauredner A von Trauredner B?
Für uns heißt das daher auch: Wir müssen klarer zeigen, wofür wir stehen. Nur über den Preis funktioniert das langfristig nicht. Auch nicht über schöne Fotos oder Social Media. Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal bleibt unsere Arbeit. Wie gut hören wir zu? Welche Fragen stellen wir? Welche Geschichten entdecken wir? Wie schreiben wir? Wie sprechen wir? Wie überraschend denken wir?
Und schaffen wir es, selbst aus scheinbar gewöhnlichen Informationen eine außergewöhnliche Rede zu entwickeln? Genau daran entscheidet sich Qualität.
Ich habe inzwischen mehr als 700 Trauerfeiern, Abschiedsfeiern und Lebensfeiern begleitet und wohl 250 Freie Trauungen. Und trotzdem entdecke ich regelmäßig Dinge, die ich anders machen möchte. Manchmal sehe ich eine Rede von früher und denke: Heute würde ich das komplett anders machen. Und das ist gut so. Denn es bedeutet, dass Entwicklung stattgefunden hat. Problematisch wäre eher, wenn ich nach vielen Jahren sagen würde: „Ich kann das jetzt. Mehr gibt es nicht zu lernen.“
Wenn ich Kolleg:innen eines mit auf den Weg geben kann, dann ist das ein Ratschlag, den ich mir auch als Post-it auf den Rand meines Bildschirms geklebt habe: „Bleib neugierig!“
Ich bin überzeugt:
Gegenseitiges Lernen ist essenziell, Lesen ist mehr als ein Kulturgut, Ausprobieren ist mehr als Scheitern, Feedback ist mehr als Kritik, neue Ideen sind mehr als Schnickschnack.
All das dient dazu, immer besser zu werden.
Denn Menschen vertrauen uns besondere Momente ihres Lebens an. Und diese Momente verdienen mehr als Routine. Sie verdienen einen hohen Anspruch an uns selbst.
Begleitet mich auf die größte Abenteuerreise – das Leben. Mit Humor und Tiefsinn. Ich erzähle – manchmal auch mit Gästen – von großen Festen wie Hochzeit, Taufe und natürlich auch Abschied. Die Trauerfeier, letzte Fest eines Menschen auf Erden. Bei all diesen Lebensereignissen spreche ich als freier Redner – als Wunschredner.
Und alle dieser Feierlichkeiten haben eines gemeinsam: Es geht um Leben, Lieben, Lachen.
Ja, auch bei der Trauerfeier darf geschmunzelt werden. Und auch Episoden aus dem Familienleben bleiben nicht verborgen. Von der Erdbestattung eines Regenwurms bis zur Verwandlung von Wasser in Eis.