Reden sind Maßarbeit und nichts für Ghostwriter

Reden sind Maßarbeit und nichts für Ghostwriter 1024 680 Wunschredner - Dr. Tobias D. Höhn

Freie Redner gibt es viele. Jeder darf sich so nennen, weil die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. Ähnlich verhält es sich bei Journalisten, Designern oder Privatdetektiven. Und so ist das Internet voll von Angeboten für freie Trauungen, Bestattungen oder Zeremonien für andere Lebensereignisse. Doch wie finde ich einen guten freien Redner? 

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Freie Reden sind Handarbeit. Sie entstehen aus dem persönlichen Gespräch. Vertrauen ist das oberste Gut.

Die freien Redner, die ich kennengelernt habe, bringen alle eines mit: Interesse an ihren Mitmenschen, Empathie und ganz viel Lust für ihren Job. Sie alle verstehen es weniger als Beruf denn als Berufung. Kein Wunder, schließlich beschäftigen wir uns mit den Menschen in entscheidenden Momenten ihres Lebens. Mal freudig und jauchzend wie bei der Hochzeit, mal traurig, nachdenklich und trotzdem mit positiver Energie wie bei der Bestattung. Aber auch zwischen diesen extremen Polen des Lebens gibt es genug Anlässe wie das Kinderwillkommensfest oder die Jugendweihe.

„Einer der wichtigsten Eigenschaften eines Redners ist sich selber zu bleiben. Ob beim Schreiben oder Reden – die Persönlichkeit des Redners ist gefragt“, sagt Martin Lieske. Wenn es einer wissen muss, dann er. Er ist wohl der freie Redner und Theologe mit der größten Erfahrung an Trauungen und Bestattungen. Ich habe meine Ausbildung bei ihm gemacht und schätze ihn – als Coach, Kollegen und Menschen.

Frei nach Goethe: Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll

Im Mittelpunkt stehen immer Menschen. Sie sind nicht nur unsere Auftraggeber, sondern auch der Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir wollen sie mit Worten erwärmen, erheitern, sie zum Lachen bringen oder dunkle Gedanken vertreiben und Mut machen. Abgestimmt auf den jeweiligen Anlass bringt sich der freie Redner dazu mit seiner Persönlichkeit, seinem Charisma, seinen Ideen und seinen eigenen Worten ein.

Unfassbare Nachricht: Freier Redner sucht Ghostwriter

Umso mehr war ich schockiert, als mich dieser Tage ein Freund kontaktierte, der als Ghostwriter und Autor arbeitet: Über ein Online-Portal hat ein „leidenschaftlicher, freier Trau-Redner“ (Selbstbezeichnung) bei ihm Hilfe beim Verfassen seiner Reden gesucht. Wörtlich schreibt der so genannte freie Redner (Schreibfehler im Original):

„Bei einer emotionalen, würdevollen und doch humorvollen freien Trauzeremonie geht es um die gesprochenen Worte. (…) Hierzu wird jeweils eine entsprechende Zeremonie und Rede nach Rücksprache und Wunsch des Brautpaares mit mir entwickelt. Am Tag selber begleite ich dann das Brautpaar mit meinen Worten. Und genau darum geht es! (…) Hier kommen Sie ins Spiel. Sie werden von mir mit den Antworten des Brautpaares auf meine umfangreichen Fragen ausgestattet und schreiben mir anhand des Trauablaufes die/den entsprechende/n Text/e.

Locker und Niveauvoll

würdevoll, aber nicht steif,

humorvoll aber nicht albern“

Martin Lieske: „Offenbarungseid der eigenen Unfähigkeit“

Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Brautpaar bucht einen freien Redner, vertraut diesem Menschen sein Innerstes an. Der „Kollege“ gibt seine Notizen dann an einen Dritten, der aus diesen Aufzeichnungen eine Rede formuliert. Diese wird dann vom „freien Redner“ bei der Hochzeit vorgelesen.

Das geht gar nicht! Nie, nie, nie.

Warum? Darum:

  1. Das Brautpaar entscheidet sich in der Regel nach dem ersten Kennenlerngespräch (ob telefonisch oder persönlich) für oder gegen einen freien Redner. Sie geben ihm bewusst das Ja-Wort für ihre Hochzeit, weil sie seine Art mögen, seinen Humor, was er sagt, wie er spricht. Sie vertrauen darauf, dass er ihren großen Tag mit seiner Art zum Strahlen bringt.
  2. Beim Kennenlerngespräch oder spätestens beim Traugespräch geben die Paare unheimlich viel von sich preis. Nicht nur ihre Lovestory, sondern auch ihre Gefühle, ihre Sicht auf die Welt, ihre Wünsche und Träume, ihre Hoffnungen und Ängste. Es geht auch um Niederlagen, schmerzliche Verluste. Meist entsteht schon im ersten Gespräch eine Vertrautheit, wenn freier Redner und Brautpaar wissen, dass eisieauf einer Wellenlänge liegen. Denn der Redner muss wissen, wie die beiden ticken, was sie fühlen. Das geht niemanden anderes etwas an!
  3. Neben dem, was die Paare von sich erzählen und durch den freien Redner herausgekitzelt wird, geht es auch um Nonverbales. Wie er sie anstrahlt, wie sie beide sich necken, er seine Stirn in Falten lagt, beide nebeneinander sitzen oder oder oder. Das sind Stimmungsmomente, die nicht auf Papier stehen, deren Atmosphäre aber so viel über die beiden aussagt.
  4. Redenschreiben für andere ist eine nicht zu unterschätzende Kunst und funktioniert nur, wenn Schreiber und Redner sich wirklich gut kennen. Auch besitzt jeder ein unterschiedliches Vokubular, einen anderen Sprachrhythmus und -duktus. Für ein Fachreferat über die steuerlichen Vorteile der Ehe oder die Eröffnung einer Mehrzweckhalle mag dies funktionieren, weil es um Zahlen, Daten, Fakten geht. Je emotionaler das Sujet, desto kniffliger. Und wenn dann noch eine Portion Humor gewünscht ist, wird es doppelt schwierig.
  5. Bis auf Punkt und Komma ausformulierte Reden sind nicht das, was bei einer freien Trauung zählt. Hier geht es um Emotionen, und die entstehen live aus der Situation heraus. Der professionelle Redner hat dazu einen Spickzettel mit Notizen, aus denen er eine Rede performt. Er geht dabei auf die Situation ein, auf das Brautpaar. Reden, die am Schreibtisch entstehen (noch dazu am fremden), wirken in der Zeremonie schnell hölzern. Der Redner klammert am Papier, statt in die Augen (und Herzen) von Brautpaar und Gästen zu schauen.

Freie Reden sind keine Discounterware, sondern individuelle Maßarbeit mit Herz, Charme und Humor

Ich garantiere: Meine Reden sind 100 % handmade. Keine Chance für Ghostwriter.

Nun könnte man vermuten, dass der hilfesuchende „freie Redner“ vielleicht am Anfang seiner Rednerkarriere steht. Doch dem ist nicht so. Er schreibt: „ Es kommt ca. 20-25x im Jahr eine Hochzeit. Tendenz hoffentlich steigen.“ (sic!) So konkrete Vorstellungen er über die Länge hat (Hierfür benötige ich dann jeweils ca 10 Din A4 Seiten geschrieben nach Stichworten, welche ich aus dem ausführlichen Vorgespräch aufnehme.“), so unsicher ist er beim Honorar. Der Ghostwirter macht ihm darauf ein Angebot und ruft 400 Euro auf. Die Hälfte des Honorars, welches der „freie Redner“ vom Brautpaar kassiert. Verständlich, immerhin liefert der Ghostwriter das, wofür das Brautpaar den „freien Redner“ im Wesentlichen bezahlt. Der Kontrakt kommt nicht zustande.

Der „freie Redner“ antwortet:

„Mir liegt kaufmännisches Rechnen nicht fern und ich kann sie verstehen. Jedoch rechnet sich für mich es nicht 50% ab zu geben. Mitbewerber bieten 50/Seite bzw. auch pauschal 120an.“

Einen Tag zuvor hatte er noch geschrieben: „(…) herzlichen Dank für Ihr Angebot, das ist mir tatsächlich zu viel Geld…dann schreibe ich selber weiter…lieben Dank!“ Mein Freund hat das Angebot natürlich nicht akzeptiert, sonst hätte ich jetzt auch ein Problem, weiter sein Freund zu sein. Jetzt hat der so genannte freie Redneroffenbar jemanden gefunden, der sich auf den Deal einlässt und die Arbeit für einen Spottpreis macht. Man darf auf das Ergebnis gespannt sein. Oder besser nicht.

Mein Versprechen: Handarbeit und Liebe bis ins Detail für eine perfekte Zeremonie

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Dr. Tobias D. Höhn, freier Redner aus Leipzig.

Bei mir hinterlässt das Ganze mehr als ein ungutes Gefühl. Kopfschütteln! Schon allein, dass jemand aus unserer Branche auf die Idee kommt, die elementarste Leistung outsourcen zu wollen und private Details des Auftraggebers an Dritte weitergeben zu wollen, hinterlässt mehr als ein schales Gefühl. Redner-Coach und Agenturinhaber Martin Lieske findet noch deutlichere Worte: „Eine Rede als Redner für ein Brautpaar schreiben zu lassen, ist ein Offenbarungseid der eigenen Unfähigkeit. Hier wurde der falsche Beruf gewählt oder grundsätzlich nicht verstanden, welche Verantwortung und Erwartung die Tätigkeit des Freien Redners mit sich bringt.“

Erst heute hat mich jemand gefragt, was mich von anderen Kollegen unterscheidet. Bislang erzählte ich daraufhin immer von meiner fundierten und zertifizierten Ausbildung, meiner Lebens- und Berufserfahrung, meiner Sprachgewandtheit, der individuellen Betreuung vom Kennelerngespräch bis zum Ende der Zeremonie, meiner Spontaneität gepaart mit Humor und Professionalität und dem hohen Anspruch an mich selbst.

Dass ich meine Reden selbst schreibe, darauf bin ich nicht gekommen. Das ist selbstverständlich und machen alle professionellen freien Redner, die ich kenne. Und: Ich nehme nur so viele Aufträge an, die ich mit 100 Prozent Elan, Begeisterung, Authentizität und Zuverlässigkeit auch erfüllen kann. Denn: Jede Rede ist so einzigartig wie der Mensch, dem sie gewidmet ist – und immer mit ❤️.